Säuren in der Kosmetik: welche wofür
Säure ist nicht gleich Säure. Molekülgröße, Löslichkeit und Konzentration entscheiden darüber, wie tief ein Wirkstoff kommt und was er dort tut.
Wie Säuren in der Haut arbeiten
Abgestorbene Hornzellen sind durch Verbindungen miteinander verklebt. Säuren lösen diese Verbindungen, sodass sich die oberste Schicht ablöst und die Erneuerung schneller läuft, als sie von allein liefe. Was danach sichtbar wird, ist Haut, die Licht gleichmäßiger zurückwirft.
Drei Größen bestimmen die Wirkung: die Molekülgröße, weil kleine Moleküle tiefer eindringen; die Löslichkeit, weil fettlösliche Säuren in die Pore gelangen und wasserlösliche nicht; und der pH-Wert, weil eine Säure nur in einem bestimmten Bereich überhaupt arbeitet.
Deshalb sagt eine Prozentangabe allein wenig aus. Zehn Prozent einer großmolekularen Säure wirken milder als fünf Prozent einer kleinmolekularen.
AHA – die wasserlöslichen Fruchtsäuren
Alpha-Hydroxysäuren sind wasserlöslich und arbeiten an der Oberfläche. Glykolsäure hat das kleinste Molekül aller AHA und dringt am tiefsten ein – wirksam bei Falten, Pigment und ungleichmäßiger Struktur, dafür am reizintensivsten.
Mandelsäure ist deutlich großmolekularer, dringt langsamer ein und wirkt zusätzlich antibakteriell. Das macht sie zur ersten Wahl bei unreiner Haut, die gleichzeitig empfindlich reagiert.
Milchsäure liegt dazwischen und bringt eine Besonderheit mit: Sie ist selbst Teil des natürlichen Feuchthaltesystems der Haut und wirkt deshalb peelend und feuchtigkeitsbindend zugleich.
BHA – die Säure für die Pore
Salicylsäure ist fettlöslich. Das ist der entscheidende Unterschied: Sie gelangt durch den Talg hindurch in den Porenkanal und arbeitet dort, wo Verstopfungen entstehen. Bei Mitessern, verstopften Poren und unreiner Haut ist sie deshalb wirksamer als jede AHA.
Zusätzlich wirkt sie entzündungshemmend – sie ist chemisch mit Acetylsalicylsäure verwandt. Bei Salicylatunverträglichkeit und in der Schwangerschaft wird sie nicht großflächig eingesetzt.
PHA – die milde Generation
Polyhydroxysäuren wie Lactobionsäure und Gluconolacton haben besonders große Moleküle. Sie dringen langsam und gleichmäßig ein, reizen dadurch kaum und binden gleichzeitig Feuchtigkeit. Lactobionsäure wirkt zusätzlich antioxidativ.
Für empfindliche Haut, für Couperose und für den ersten Einstieg in Säurebehandlungen sind sie die verträglichste Wahl. Sie arbeiten langsamer – dafür kommt die Haut mit.
Azelainsäure – der Sonderfall
Azelainsäure ist streng genommen keine Peelingsäure. Sie wirkt auf drei Ebenen gleichzeitig: gegen Bakterien, gegen Entzündung und gegen die Pigmentbildung. Diese Kombination gibt es sonst nicht.
Deshalb ist sie besonders wertvoll bei unreiner Haut mit Rötungsneigung und bei Verfärbungen, die nach abgeheilten Entzündungen zurückbleiben. Sie gilt als gut verträglich und wird auch in der ärztlichen Rosazeatherapie eingesetzt.
Phytin- und Ferulasäure
Phytinsäure stammt aus Getreidekörnern, peelt sehr mild und bindet Metallionen, die an der Pigmentbildung beteiligt sind. Sie kommt bei Verfärbungen und empfindlicher Haut zum Einsatz, wenn stärkere Säuren ausscheiden.
Ferulasäure ist in erster Linie ein Antioxidans. Ihr eigentlicher Wert liegt darin, Vitamin C zu stabilisieren und dessen Wirkung zu verstärken – sie steht deshalb selten allein.
Enzyme statt Säure
Enzympeelings arbeiten mit eiweißspaltenden Enzymen, meist aus Papaya oder Ananas. Sie lösen ausschließlich abgestorbene Zellen und verändern den pH-Wert der Haut nicht.
Damit sind sie die mildeste Form der Abtragung – geeignet für sehr empfindliche Haut, für Schwangerschaft und Stillzeit und für alle, die regelmäßig etwas tun wollen, ohne die Barriere zu belasten.
Welche Säure für welche Haut
Unreine Haut mit Mitessern: Salicylsäure. Unreine und gleichzeitig empfindliche Haut: Mandelsäure. Pigment und ungleichmäßiger Teint: Glykol-, Phytin- oder Azelainsäure. Trockene, fahle Haut: Milchsäure. Empfindliche Haut und Couperose: PHA oder Enzyme. Rötungsneigung mit Unreinheiten: Azelainsäure.
Diese Zuordnung ist ein Anhaltspunkt, keine Verordnung. Welche Säure in welcher Konzentration tatsächlich passt, ergibt sich aus der Hautanalyse im Studio am Eppendorfer Weg in Hamburg-Hoheluft.
Was ist der Unterschied zwischen AHA, BHA und PHA?
AHA sind wasserlöslich und arbeiten an der Oberfläche, BHA ist fettlöslich und gelangt in die Pore, PHA haben besonders große Moleküle und wirken dadurch besonders mild. Die Wahl richtet sich danach, wo das Problem sitzt.
Welche Säure ist die stärkste?
Glykolsäure hat das kleinste Molekül und dringt am tiefsten ein, gilt deshalb als die stärkste der Fruchtsäuren. Stärker heißt aber nicht besser: Bei empfindlicher Haut richtet sie mehr Schaden als Nutzen an.
Kann man Säuren kombinieren?
In fertigen Kabinenprodukten sind Kombinationen üblich und sinnvoll abgestimmt. In der häuslichen Pflege ist Zurückhaltung besser – zwei verschiedene Säureprodukte am selben Abend sind fast immer zu viel.
Wie erkenne ich, dass eine Säure zu stark für mich ist?
An anhaltendem Brennen, an Rötung, die über Stunden bleibt, an plötzlichem Spannen und daran, dass gewohnte Pflege auf einmal reizt. Das sind Zeichen einer geschädigten Barriere – dann wird pausiert, nicht reduziert.
Machen Säuren die Haut dünner?
Nein, das ist ein hartnäckiger Irrtum. Regelmäßige, angemessene Säurebehandlung verdickt die lebende Hautschicht sogar, weil sie die Erneuerung anregt. Dünn und empfindlich wird die Haut nur bei Überanwendung.
Darf man Säuren in der Schwangerschaft verwenden?
Milchsäure, Mandelsäure und Enzympeelings gelten als unbedenklich. Salicylsäure wird großflächig nicht empfohlen, hochprozentige Behandlungen ebenfalls nicht. Sagen Sie es bitte vor der Behandlung.
Wie lange dauert es, bis Säuren wirken?
Die Oberfläche verändert sich sofort sichtbar. Pigment, Struktur und Unreinheiten brauchen eine Serie über Wochen. Wer nach zwei Anwendungen aufgibt, hat die Wirkung nie gesehen.
Was in Ihrem Fall möglich ist
Welche Säure in welcher Konzentration zu Ihrer Haut passt, ergibt sich aus der Analyse – nicht aus einer Liste.